Von unfruchtbar zu blühend: Die verwandelnde Gnade der Fastenzeit

Jedes Jahr, wenn wir uns auf Ostern vorbereiten, lädt uns die Kirche dazu ein, innerlich und äußerlich still zu werden, damit wir aufmerksamer auf Gottes Wort hören können. Indem wir auf Gottes Ruf „Kehrt um zu mir mit ganzem Herzen“ (Joel 2,12–13) antworten, bemühen wir uns in dieser heiligen Zeit, offener und bereit zu sein in unserer Beziehung zu Gott, zu uns selbst und zueinander. Ein Impuls von Sr. Maria Cristina Avalos SSpS.

Auch in der trockensten Wüste liegt Leben verborgen und kann durch wenig Wasser entstehen

Als ich über die Fastenzeit als Zeit der inneren Erneuerung nachdachte, kam mir eine lebhafte Erinnerung zurück. Vor einigen Jahren zeigte eine Steyler Schwester aus Chile außergewöhnliche Fotos von der Desierto Florido, der „blühenden Wüste“ der Atacama, dem trockensten Ort der Erde. Alle vier oder fünf Jahre, nach einem seltenen Regen, geschieht etwas Erstaunliches: Der karge Boden erwacht zum Leben. Über Nacht reagieren Tausende von versteckten Samen auf die Feuchtigkeit, und die Wüste verwandelt sich in ein Meer aus Farben. Was einst leblos schien, erstrahlt nun in voller Pracht. Was unmöglich schien, steht plötzlich in voller Blüte vor uns.

Diese Verwandlung ist mehr als ein Naturwunder; sie ist eine Metapher für unsere spirituelle Reise. Auch die Fastenzeit ist eine Zeit, in der etwas, das lange Zeit schlummerte, langsam zu erwachen beginnt. Es ist eine Zeit, in der wir eingeladen sind, in unsere eigene innere Landschaft einzutreten, nicht um sie zu beurteilen, sondern um sie wahrzunehmen. Um zu sehen, was vielleicht vernachlässigt wurde, was sich nach Licht sehnt, was auf Regen wartet.

In der Stille der Wüste können wir Gottes Stimme hören, die uns sagt „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken … und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Mt 11,28-30)

Der Theologe und Priester Henry Nouwen schrieb einmal: „Die Wüste ist der Ort der Bekehrung, der Ort, an dem das alte Selbst stirbt und das neue Selbst geboren wird.“ In der Bibel ist die Wüste niemals nur ein physischer Ort. Sie ist mehr als nur ein Ort der Trockenheit, sondern ein heiliger Raum der Begegnung, eine Schwelle, an der Illusionen verschwinden, Vertrauen auf die Probe gestellt und die Wahrheit über das Menschsein deutlicher wird. Abraham ging in die Wüste, ohne zu wissen, wohin er ging. Moses entdeckte einen brennenden Busch, der nicht verbrannte. Elia hörte Gott nicht im Wind oder im Feuer, sondern in einem leisen Säuseln. Das Volk Israel lernte Schritt für Schritt, dem Gott zu vertrauen, der „sie bei Tag mit einer Wolke und bei Nacht mit einem Licht aus Feuer führte“ (Ex 13,21).

Die Heilige Schrift bietet ein weiteres eindrucksvolles Bild der Verwandlung an einem öden Ort. Im Buch Ezechiel wird der Prophet von Gott in ein Tal voller verdorrter Gebeine geführt, ein Land völliger Verwüstung. Gott fragt ihn: „Können diese Gebeine wieder lebendig werden?“ (Ez 37,3). Es ist eine Frage, die in jedem menschlichen Herzen widerhallt. Ezechiel sieht zu, wie Leben in das einst Leblose einkehrt und die Knochen sich erheben. Diese Vision handelt nicht nur davon, dass ein Volk wieder zum Leben erweckt wird, sondern auch davon, wie Gottes Geist auf geheimnisvolle Weise durch das wirkt, was hoffnungslos erscheint.

Diese Vision erinnert uns auch daran, dass unter unseren Ängsten, unseren Verletzungen und den Schichten des Selbstschutzes, die wir im Laufe der Zeit aufgebaut haben, eine tiefere Wahrheit verborgen bleibt: unsere ursprüngliche Güte. Das vergisst man leicht. Unser falsches Selbst, geprägt von Erwartungen, Enttäuschungen, Verletzungen oder einer eingeschränkten Sichtweise auf uns selbst, kann das stille Strahlen der Ähnlichkeit und des Bildes Gottes, das von Anfang an in uns angelegt ist, verdecken. Die Fastenzeit lädt uns ein, uns wieder mit diesem verborgenen Zentrum zu verbinden, nicht indem wir unsere Grenzen, Verletzungen und Unzulänglichkeiten leugnen, sondern indem wir uns daran erinnern, dass sie uns nicht definieren. Auch wenn ein Teil von uns Heilung braucht, ist es wichtig, darauf zu vertrauen, dass Gott in uns wohnt. Von diesem Ort der inneren Verankerung aus können wir ohne Angst durch die Trockenheit und Dunkelheit des Lebens gehen, in dem Wissen, dass derjenige, der trockenen Knochen Leben einhaucht, auch uns Leben einhaucht.

Und noch etwas passiert, wenn wir uns wieder mit unserer eigenen Güte verbinden: Wir beginnen, die Güte in anderen zu sehen. Je mehr wir die stille Schönheit in uns selbst erkennen, desto mehr werden wir uns der Bedürfnisse, Kämpfe und Hoffnungen unserer Mitmenschen bewusst. In einer Welt, die oft von Negativität, Gleichgültigkeit und egoistischen Einstellungen geprägt ist, wird diese Fähigkeit, das Gute zu sehen und Wertschätzung zu zeigen, zu einem stillen Akt der Liebe, zu einer spirituellen Disziplin, die uns bereichert und verändert.

Zu Beginn der Fastenzeit erinnern wir uns daran, wie Jesus vom Heiligen Geist in die Wüste geführt wurde, um sich auf sein öffentliches Leben vorzubereiten. Seine vierzig Tage waren keine Flucht vor der Realität, sondern ein Weg, tiefer in sie einzutauchen. In dieser Zeit der Stille, des Fastens und der Einsamkeit stellte er sich den menschlichen Fragen: Was gibt mir Kraft? Wem vertraue ich? Was ist wirklich wichtig? Seine Demut und Treue zum Vater ist ein Weg, dem wir folgen können.

In der Fastenzeit geht es also weniger um Anstrengung oder äußere Handlungen als vielmehr um Offenheit und Innerlichkeit. Es ist keine Zeit, in der wir uns beweisen müssen, sondern in der wir uns selbst neu entdecken können. Wir sind eingeladen, innezuhalten, langsamer zu werden, um die inneren Regungen wahrzunehmen, die wir oft übersehen, und auf die leise Stimme zu hören, die unsere Sehnsucht nach Frieden, Verbundenheit, Gerechtigkeit, Mitgefühl und Freiheit widerspiegelt. Es ist eine Zeit, in der wir unser Herz atmen lassen und uns mehr in Gottes mitfühlender Gegenwart verankern können.

Und in einer Welt, die sich oft zu schnell bewegt, wird der einfache Akt des Innehaltens zu einer stillen Haltung für Frieden und liebevolle Güte. Eine Pause ist keine Unterbrechung, sondern eine Rückkehr: eine Rückkehr zu uns selbst, zu dem, was wichtig ist, zu der Gegenwart Gottes, die bereits in uns ist. Wenn wir innehalten, sei es auch nur für einen kurzen Moment, schaffen wir Raum für Klarheit. Wir beginnen, das wahrzunehmen, was wir normalerweise übersehen: die Anspannung, die wir mit uns herumtragen, die Sehnsucht hinter unseren Ablenkungen, die stillen Einladungen, die aus unserem Inneren kommen. Eine Pause ermöglicht es uns, dem Leben nicht mit automatischen Reaktionen zu begegnen, sondern mit einem fundierteren, weiten Bewusstsein.

Diese Art von Pause ist nicht passiv, sondern transformativ. Sie ist eine Möglichkeit, tief in unseren Körper, unsere Emotionen, unsere Gedanken, unsere täglichen Erfahrungen und Gottes sanfte Bewegung in ihnen hineinzuhören. Es ist ein Weg, uns bewusst zu werden, dass wir mehr sind als unsere Sorgen, mehr als unsere Rollen, mehr als die Arbeit, die wir leisten, mehr als der Lärm um uns herum. In der Stille verbinden wir uns wieder mit der Güte, die Gott von Anfang an in uns gepflanzt hat. Und wenn wir diese Güte auch nur für einen Moment berühren, verändert sich etwas: Wir beginnen, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Wir werden aufmerksamer und mitfühlender gegenüber anderen und verantwortungsbewusster im Umgang mit allem, was Gott geschaffen hat. Unser Leben kann dann deutlicher zeigen, dass die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten keine getrennten Wege sind, sondern eine einzige Bewegung des Herzens.

Diese innere Arbeit fließt ganz natürlich in konkrete Gesten ein, kleine, einfache Praktiken, die das Herz formen. Diese Fastenzeit bereitet den Boden unseres Herzens, damit etwas Neues entstehen kann. Jeder von uns kann einfache, kreative Wege finden, um Gottes Güte und Mitgefühl in die Welt zurückzugeben, zum Beispiel durch:

- Innehalten, um jemandem, der leidet, mit echter Präsenz zuzuhören

- unsere harten Urteile über uns selbst und andere mildern

- einen lang gehegten Groll vergeben

- Geduld zeigen, wenn schnell Ärger aufkommt

- Worte wählen, die heilen statt verletzen

- großzügig denen zu geben, die in Not sind

- innehalten, um zu beten und unsere Entscheidungen und Beschlüsse zu überdenken

- beharrlich im stillen Gebet sein, immer freier sein, um zu lieben.

Diese Gesten sind keine Aufgaben, die es zu erfüllen gilt, sondern Wege, Raum für Gnade zu schaffen. Sie sind kleine Öffnungen, durch die Gott Leben in unsere trockenen Orte hauchen kann, so wie Regen die verborgenen Samen der Wüste erweckt.

Wenn uns die Wüste etwas lehrt, dann ist es, dass Veränderungen selten lautstark vonstattengehen. Sie vollziehen sich still, geduldig, unter der Oberfläche. Gottes Wirken in uns ist oft wie Regen, der auf unsichtbare Samen fällt – zunächst unbemerkt, aber dennoch zutiefst wirksam.

Und so wie die Atacama-Wüste nach langen Trockenperioden zu blühen beginnt, so kann auch die innere Wüste unseres Herzens erblühen. Nicht weil wir sie dazu zwingen, sondern weil die Gnade die Kraft hat, das Verhärtete zu erweichen und steinerne Herzen in Herzen aus Fleisch zu verwandeln (Ez 36,26). Hoffen wir, dass wir uns auf unserem Weg hin zu Ostern von dem überraschen lassen, was in uns und um uns herum zu verändern und zu wachsen beginnt. Mögen wir die subtilen Wege erkennen, auf denen Gott in uns und durch uns wirkt, oft still, immer barmherzig, und „unendlich mehr tut, als wir bitten oder verstehen können“ (Eph 3,20).

Sr. Maria Cristina Ávalos SSpS