Wonach sehne ich mich?

An zwei Besinnungsnachmittagen im Dezember 2025 trafen sich 45 Mitglieder der Missionarischen Heilig-Geist-Gemeinschaft (MHGG) sowie Freund*innen und Bekannte bei den Steyler Schwestern in Laupheim. Sie sind der Einladung mit dem Thema „Alles beginnt mit der Sehnsucht“ gefolgt.

Das Adventswort „Sehnsucht“ ließ uns in Bewegung kommen. Denn es ist ein Geheimnis dieses Wortes, durch das sich Himmel und Erde, Gott und der Mensch im eigenen Herzen berühren und verbinden. Das Gedicht von Nelly Sachs „Alles beginnt mit der Sehnsucht“ faszinierte alle.

„Immer ist im Herzen Raum für Schöneres, für Größeres“, heißt es in dem Gedicht. Diese Gedanken ließen uns still werden und im Nachspüren, ob es wirklich so ist, trat die Adventsstille in unsere Herzen und in den Raum ein, der uns für drei Stunden beherbergte.

„Fing nicht auch Deine Menschwerdung, Gott, mit der Sehnsucht nach dem Menschen an?“, geht der Text von Nelly Saachs weiter. Eigentlich ist es ein atemberaubender Gedanke, ein Gott der Sehnsucht nach dem Menschen hat. Nicht weil er uns Menschen braucht, sondern weil er uns liebt. Weil er Heil und Leben für alle will. Gott hat ein Herz für die Kleinen und Schwachen, die Mutlosen, Bedürftigen und Beladenen. Er wird einer von uns. Geboren unterwegs in einem Viehunterstand, angewiesen auf Nähe und Wärme, auf Fürsorge und Schutz.

Sehnsucht – in diesen Worten stecken die Worte sehnen und suchen. Jedes Sehnen in mir lässt mich auf die Suche gehen. Aber um dieses Sehnen in mir überhaupt wahrzunehmen, brauche ich Zeit – ein so kostbares Gut in unseren Tagen. Zeit, um mich selbst wahrzunehmen. Zeit, um in mich hineinzuspüren: Wonach sehne ich mich? Was bewegt mich? Was fehlt mir? Diese persönlichen Fragen eröffneten eine Atmosphäre von wirklicher Sehnsucht nach dem Größeren und Schönerem – nach Gott, der für uns Mensch wurde aus Liebe.

Ob unsere Sehnsucht endet, wenn wir Gott gefunden haben? Dies kann ich mir für dieses Leben kaum vorstellen. Wir verspürten, unsere Sehnsucht wird nie enden. Ihn, meinen Gott suchen in allen Dingen, Ihn finden - und mich von IHM überraschen lassen, dies wird unser, mein Weg sein. 

Vielleicht dürfen wir an Weihnachten immer wieder einen Gott entdecken, der uns im menschlichsten aller Menschen erscheint. Einen Gott, der an der Seite der Armen und Geringen ist, der mit den Trauernden aushält. Der die Vision von Frieden und Versöhnung lebt.
Vielleicht entdecken wir einen Gott, der uns inspiriert, neu aufeinander zuzugehen. Der uns hilft und uns anregt, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen, vielleicht sogar einen Konflikt zu bereinigen. Der uns motiviert, Begegnung und Zeit füreinander zu investieren. Einen Gott, der uns mit Seinem Geist beseelt und erfüllt. Und der uns ruft, es ihm gleichzutun, uns einzusetzen für die Menschen, die uns brauchen.

Advent und Weihnachten sind ein Grund – Die Sehnsucht nach Gott immer wieder neu erspüren – und Gottes Sehnsucht nach mir, Raum geben – ER liebt mich, so wie ich bin. Dies wollen wir im Neuen Jahr einüben – machen Sie auch mit?

Denn die Worte von Alfred Delp bewegten uns nochmals neu: „Glaubt mir, ein irdisches Ding macht dieses Herz nicht ruhig. Einmal muss einer kommen, der uns alle Fenster und Türen aufmacht, der uns ansieht mit heiligen Augen. Der unser Herz anrührt mit heilenden Händen. Einmal muss einer kommen. Ich habe ein Leben lang auf ihn gewartet.“   

Klarer könnte es nicht gesagt sein - wir brauchen Gott, ich brauche Gott - nicht allein im Advent und an Weihnachten – sondern das ganze Jahr – denn unsere Welt sehnt sich nach beständigem Heil und Frieden – auch für das Jahr 2026.

Sr. Theresia Eberhard SSpS
Mit dem MHGG-Team