Geist und Auftrag

Die Zeitschrift der Missionarischen Heilig-Geist-Gemeinschaft, "Geist und Auftrag" hat eine Auflage von ca. 30.000 Exemplaren.

Sie erscheint vierteljährlich in Deutschland, Österreich und Südtirol.

Themenschwerpunkte sind: Spiritualität und Mission.

Die Kosten werden durch freie Spenden der Mitglieder gedeckt. Mit dem Überschuss werden soziale und pastorale Projekte unterstützt, Führungskräfte ausgebildet und in Katastrophenfällen geholfen.

Archiv der letzten vier Ausgaben

Heft 1/2022

Dein Glaube hat dich gerettet

Wenn Gesundheit zum höchsten Gut erklärt wird, dann entsteht eine Art "Gesundheitskult". Das macht Menschen nicht gesünder. Es stürzt sie eher in eine große Krise, wenn sie trotz gesunder Ernährung, trotz Sport und trotz vieler Gesundheitstipps krank werden. Dann treibt sie die Frage um, was habe ich falsch gemacht? Warum trifft es mich? Was bin ich jetzt noch wert, ja, bin ich jetzt wertlos?

In diesem Jahr soll sich alles um Krankheit, Gesundheit, Heil und Heilung drehen. Ein gesundes Verhältnis zu Krankheit, körperlichen Einschränkungen und Abhängigkeit von orthopädischen Hilfsmitteln, Medikamenten oder einer Diät ist häufig eine große Herausforderung. Es macht abhängig von der Unterstützung anderer, macht hilfsbedürftig und lässt gebrechlich erscheinen.

Bis zu ihrem 90. Geburtstag war meine Mutter noch sehr fit, brauchte keinerlei Hilfe und lief täglich einen steilen Weg mit Einkaufstasche nach Hause. Nach einer Erkrankung brauchte sie einen Rollator. Sie weigerte sich, ihn außerhalb des Hauses zu gebrauchen. Niemand sollte sehen, dass sie nicht mehr so fit war. Warum durften das andere nicht wissen? ...
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS


Titelthema
Es macht mich jedes Mal ganz unruhig, obwohl es mir schon so oft passiert ist: Da gratuliert mir jemand zum Geburtstag, wünscht mir alles Gute und fügt mit Augenaufschlag hinzu: "Vor allem wünsche ich Dir Gesundheit, denn das ist doch das Wichtigste!" Ich weiß, dieser Wunsch ist gut gemeint, und doch muss ich schlucken. Ist Gesundheit wirklich das Wichtigste? Bin ich nicht normal, weil ich mir für mein Leben mehr wünsche, als nur "gesund" zu sein?

Was hat Jesus den Menschen gewünscht, wenn er ihnen gratulierte? Von Geburtstagswünschen Jesu wird uns in der Bibel nichts erzählt. Aber Jesus hielt einmal eine Predigt, die für seine Zuhörer unvergesslich blieb (nachzulesen bei Matthäus Kap. 5 bis 7). Er begann damit, Menschen zu beglückwünschen, denen es nach dem Urteil ihrer Mitmenschen gar nicht gut ging: Arme, Trauernde, Menschen, die sich nach Gerechtigkeit sehnen, Menschen, die geschmäht und verfolgt wurden. Diese Glückwünsche waren nicht zynisch gemeint. Jesus war überzeugt, dass diese Menschen besonders empfänglich waren für das, was er ihnen zusagte: Trost, Erfüllung ihrer Sehnsüchte, die Schau Gottes, Anteil an Gottes Reich. Mir fällt auf, dass in diesen Glückwünschen niemals "Gesundheit" erwähnt wird, obwohl das doch angeblich so wichtig ist! Sah Jesus das etwa anders? Dabei war er doch der  "Heiland", der viele Wunder tat! ...
© Ralf Huning SVD aus Geist und Auftrag 1/22 Seite 4

Heft 4/2021

Den Wandel vertrauensvoll gestalten

"Den Glauben weitergeben", das Thema ist Schwerpunkt in dieser Ausgabe.
Überfordert das viele von uns, ist es zu anspruchsvoll? War es früher ein Tabu, über Sexualität zu sprechen, so gilt das heute für den Glauben. Die kirchliche Sprache ist vielen, vor allem jüngeren Menschen, fremd geworden. Was ist gemeint, wenn von Heil, Erlösung, Sünde, Himmel und Hölle die Rede ist? Was bedeuten die Worte, die in unserem Alltag nicht vorkommen? Was stelle ich mir darunter  vor? Brennt es eigentlich im Fegefeuer? Solche und ähnliche Fragen sind aufgetaucht, als sich eine Gemeinde mit den letzten Dingen beschäftigt hat.

Wer hat mit Ihnen zum ersten Mal über Gott gesprochen, Sie zum Nachdenken über ihn angeregt? War es Ihre Mutter, Ihr Lehrer, der Pfarrer oder andere Menschen? Können Sie sich noch daran erinnern, in welcher Situation es geschah?

Wie spricht Jesus über Gott? Oft braucht er keine Worte. Er gibt Hungrigen zu essen, umarmt Kinder, macht Kranke gesund, tröstet Trauernde, hat Mitleid und ist nahe allen, die in Not, ausgegrenzt oder verzeweifelt sind. ...
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS



"Wer mit beiden Füßen auf dem Boden steht, kann nicht vorwärts kommen!" Diese alte Volksweisheit macht deutlich, wie sehr wir Menschen der steten Veränderung bedürfen. Schon rein biologisch gesehen, verändern wir Menschen uns ständig: vom Kind zum Jugendlichen, vom jungen Menschen zum Erwachsenen, von der Mitte des Lebens zum Alter. Seit Kindheitsstagen müssen wir immer wieder Neues lernen, uns mit Ungewohntem anfreunden und Veränderungen stellen. Wir wachsen und lernen ständig dazu. Unser Leben ist geprägt von Zeiten der Entscheidung zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Aufgeben und Durchhalten, zwischen Starre und Veränderung. Den Wenigsten wird allen Ernstes einfallen, auf einer früheren Entwicklungsstufe stehen zu bleiben. Peinlich wirkt es, wenn sich Erwachsene in der Öffentlichkeit wie ein Kind aufführen und Menschen im Rentenalter meinen, sich wie Jugendliche kleiden zu müssen. Der Wert von Verändung liegt genau darin, dass sie unserem Leben neue, oft ungeahnte Möglichkeiten und Chancen bietet. Darauf verweist eine Aussage des französichen Schriftstelleres André Gide: "Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren."

Trotzdem machen Veränderungen vielen Menschen Angst. In unserer extrem schnelllebigen Zeit ändert sich vieles in unserer Gesellschaft und Kirche. Damit kann mancher Zeitgenosse nicht gut umgehen. Dann ist die Versuchung groß, sich dem Heute zu verschließen und an das Gestern zu klammmern, selbst dann, wenn man intuitiv spürt, dass manches nicht so weitergehen kann wie bisher. In der Tagespolitik viele Länder kann man beispielsweise beaobachten, wie rechtskonservative Parteien an Einfluss gewinnen, indem sie einfachgestrickte, populistische Antworten auf komplexe Sachverhalte geben. Auch in kirchenlichen Kreisen machen Traditionalisten lautstark von sich reden. ...
© Norbert Cuypers SVD aus Geist und Auftrag 4/21 Seite 4

Heft 3/2021

Das Geschenk des Glaubens weitergeben

Während einer Informationsreise nach Indonesien traf ich am Stadtrand von Surabya einen engagierten Steyler Missionar. Er erzählte, wie er in einer kleinen Kapelle mit Menschen, die sich vom christlichen Glauben angezogen fühlten, eine neue Gemeinde gegründet hat. Es schlossen sich ihnen immer mehr Menschen an. Es herrschte ein frohes, gutes Miteinander. Sie waren eine Gemeinschaft, die füreinander betete und für Arme sorgte. So wurde die Kapelle bald zu klein. Die Menschen standen bei den Gottesdiensten schon vor der Tür. So plante die Gemeinde den Bau einer großen Kirche, in der Platz genug für alle sein sollte. Sie sparten, halfen mit beim Bau und waren mächtig stolz, als ihre neue schöne Kirche eingeweiht wurde. Und dann mussten sie die schmerzliche Erfahrung machen, dass immer mehr Menschen dem Gottesdienst fern blieben. Warum?
Die ersten christlichen Gemeinden stelle ich mir ähnlich vor, wie die Gemeinde in der kleinen Kirche. Sie waren klein und arm, aber reich an Liebe zu Christus und zueinander. Sie freuten sich, sich zum Gottesdienst treffen zu können. Frohen Herzens lobten sie Gott. ...
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS

Titelthema
Es liegt schon ein paar Jahre zurück, aber ich erinnere mich noch gern an den Besuch in einer Grundschule. Die Klassenlehrerin hatte mich eingeladen, den Kindern über meine Missionserfahrungen in Paupa Neuguinea zu berichten. Dazu hatte ich Gegenstände aus der Südsee mitgebracht; eine wertvolle Kinamuschel, mit der die Menschen bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts Tauschhandel betrieben. Dazu eine Kette aus Schweinezähnen und selbstverständlich auch einen Globus, damit die Schüler suchen konnten, wo diese zweitgößte Insel der Welt zu finden ist. Wir sprachen darüber, wie ich dort gelebt und gearbeitet habe. Die Kinder kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, als sie von meinen großen und kleinen Abenteuern im Busch des Westlichen Hochlandes dieser Insel hörten. Umso überraschter war ich, als mich dann der kleine Florian fragte: "Sag mal, Pater Norbert, bist du eigentlich nur Missionar oder hast du auch etwas Gescheites gelernt?" Da musste ich doch schmunzeln und konnte den guten Florian beruhigen, denn in der Tat hatte ich ja vor meinem Ordenseintritt auch einen 'richtigen' Beruf gelernt.
Ja, wie ist das so: 'nur Missionar' zu sein? Und: warum eigentlich Mission? Muss man der Welt von heute überhaupt noch den Glauben weitergeben? Seit nunmehr 37 Jahren gehöre ich einer missionarischen Ordensgemeinschaft an, den 'Steyler Missionaren', und mindestens ebenso lange werden mir diese und ähnliche Fragen gestellt. Von Jugendlichen, die sich auf die Firmung vorbereiten, von Pfarrgemeinderäten und ja, manchmal auch von meiner eigenen Verwandtschaft. Beim Thema 'Mission' bekommen sie fast alle Bauchschmerzen, weil für sie Mission schlichtweg antiquiert ist. Schade eigentlich, denn ich selbst kann unmöglich schweigen von dem, was ich in meinem Leben von Gott gehört und vor allem mit ihm erlebt habe. ...
© Norbert Cuypers SVD aus Geist und Auftrag 3/21 Seite 4
 

Heft 2/2021

Spurensuche: Den Glauben leben

Auf Spurensuche gehen zu können, hat uns in der Kindheit viel Freude gemacht. Zu welchem Tier gehören die Spuren im Schnee? Zu welchem Vogel diese Federn oder zu welchem Tier die Exkremente? Was sagen uns bestimmte Wolkenformationen? Wir lesen die Körpersprache eines Menschen. Geht es ihm/ihr gut, fühlt er/sie sich wohl in dieser Situation? An den Pflanzen können wir ablesen, ob sie Wasser, Dünger oder einen anderen Standort brauchen. Es gibt so viele Situationen in unserem Leben, wo wir versuchen wie Detektive äußere Zeichen zu deuten. Manchmal ziehen wir die richtigen Konsequenzen, manchmal liegen wir aber auch daneben, haben etwas übersehen, die Tatsachen falsch gedeutet.
Jesus wirft seinen Zuhörern vor: "Am Abend sagt ihr: Das Wetter wird schön, denn der Himmel ist rot. Und am Morgen: Heute wird es regnen, denn der Himmel ist rot und trüb. Die Zeichen des Himmels wisst ihr zu deuten, die Zeichen der Zeit aber versteht ihr nicht!" (Mt 16,2f). Die Zeichen, die Gott uns persönlich und der Kirche gibt, sind noch schwerer zu deuten als die Zeichen in der Natur. Wir sind eingeladen, Gottes Spuren in unserem Leben zu entdecken. Wie bin ich die Person geworden, die ich heute bin? ....
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS


"Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es vorwärts", sagte der dänische Philosoph Soren Kierkegaard. Darin steckt eine gute Portion Weisheit, denn wer immer unterwegs ist, hinterlässt Spuren: am Strand, im Schnee, auf dem feuchten Waldweg. Auch Spuren der Liebe, der Hingabe und des Vertrauens sind rückblickend in unserem Leben zu erkennen. Wer einen Weg in die Zukunft sucht, hält nicht selten Ausschau nach solchen Spuren, die ihm zeigen, welcher Richtung man in seinem Leben sinnvoll trauen kann. Das können Menschen sein, die glaubhaft für ihre Überzeugungen einstehen, oder Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche die Zukunft versprechen. Insofern ist auch mein persönlicher Glaubensweg letztlich eine ständige, nie abgeschlossene Spurensuche nach Gott in meinem Alltag.
Weit über die Hälfte meines Lebens liegt bereits hinter mir. Auch ich reflektiere immer wieder die vergangenen Jahre. Dazu helfen mir Fotos aus vergangener Zeit, aber vor allem die Aufzeichneungen in meinen Tagebüchern. Wie sich das anfühlen kann, besingt Reinhard Mey sehr schön in einem Lied: "Beim Blättern in den Bildern meiner Kindheit, find' ich viele vergilbt in all' den Jahr'n. Und and're von fast unwirklicher Klarheit, von Augenblicken, die mir wichtig war'n! ... Wie manches, dem wir kaum Beachtung schenken, uns dennoch für ein ganzes Leben prägt. Und seinen bunten Stein als ein Andenken ins Mosaik unserer Seele trägt!" ...
© Norbert Cuypers SVD aus Geist und Auftrag 2/21 Seite 4

 

Ganzheitlich leben - Heil an Leib und Seele


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