Geist und Auftrag

Die Zeitschrift der Missionarischen Heilig-Geist-Gemeinschaft, "Geist und Auftrag" hat eine Auflage von ca. 30.000 Exemplaren.

Sie erscheint vierteljährlich in Deutschland, Österreich und Südtirol.

Themenschwerpunkte sind: Spiritualität und Mission.

Die Kosten werden durch freie Spenden der Mitglieder gedeckt. Mit dem Überschuss werden soziale und pastorale Projekte unterstützt, Führungskräfte ausgebildet und in Katastrophenfällen geholfen.

Archiv der letzten vier Ausgaben

Heft 3/2022

Was mir Kraft gibt... - Leben trotz Leid!

Wenn wir selbst oder ein lieber Mensch aus unserer Familie oder aus unserem Freundeskreis krank wird oder durch einen Unfall oder ein Verbrechen umkommt, fragen wir, warum es geschieht. Was haben wir falsch gemacht? Wofür werden wir oder die andere Person bestraft?
Diese Frage stellt Ijob, stellen die Apostel Jesus, haben Juden in der NS-Zeit gestellt, und viele andere vor uns und um uns stellen diese Frage. Er schließt jedoch aus, dass Gott uns durch das Leid bestraft.
Was kann uns helfen, nicht zu verzweifeln, zu verbittern oder ein Leben in Hass und mit Rachegedanken zu verbringen? Gibt es die Möglichkeit, trotz Leid und Ungerechtigkeit glücklich zu werden?

Jehuda Bacon, ein Überlebender des KZ Theresienstadt und Ausschwitz, erzählt, dass er überzeugt war, aus dem KZ nicht mehr lebend herauszukommen. Sein Lehrer Jakob Wurzel hatte vor seiner Deportation nach Ausschwitz den Kindern in Theresienstadt gesagt: "Denkt an eines Kinder, in jedem Menschen ist ein göttlicher Funke und dieser Funke ist unzerstörbar." Jehuda Bacon hat immer daran gedacht: "Die SS kann mich zu Asche machen, kann mich vernichten. Aber diesen Funken können sie nicht zerstören." Er hat dann diesen Funken auch "in jedem Menschen", auch in den SS Leuten, gesehen. ...
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS

Titelthema

Was habe ich davon, wenn ich Gott einen wichtigen Platz in meinem Leben einräume und mich an seine Gebote halte? Selten stellen wir diese Frage so ausdrücklich. Aber viele haben eine unausgesprochene Erwartungshaltung, dass sich ihre religiöse Praxis auch nützlich und heilsam für ihr Leben erweist. Das muss uns nicht erstaunen. Denn unsere Kultur ist von Nützlichkeitsdenken geprägt.
Wem als Kind die schulischen Aufgaben schwer fielen, dem macht man mit dem Hinweis Mut, dass sich die Anstregungen später bezahlt machen würden. Mit ähnlichen Versprechen versucht man uns auch im Erwachsenenalter zu einem "vernünftigen" Lebensstil anzuleiten.
So lecker auch süße Speisen sind, wir sollten darauf verzichten, um unsere Gesundheit nicht zu schädigen. Gesundheitsbewusste Ernähung und regelmäßiger Sport würden vor Erkrankungen schützen, größere Lebensfreude und längeres Leben schenken. Natürlich ist an den Empfehlungen etwas dran. Aber eine Garantie, dass der verheißene Gewinn wirklich eintritt, kann uns niemand geben. Viele, denen in der Schulzeit mathematische oder grammatische Übungen zur echten Qual wurden, stellten später als Erwachsene fest, dass sie das Erlernte in ihrem gewählten Beruf niemals benötigten. Sie kennen wahrscheinlich auch Menschen, die immer auf ihre Gesundheit geachtet und sich vorbildich an die Empfehlungen von Experten gehalten haben und doch eine schwere Erkrankung erlitten oder sogar früh sterben mussten.

Bei Menschen, die Gott in ihrem Leben einen besonderen Platz eingeräumt haben, scheint es ähnlich zu sein. Die Garantie, dass sich religiöses Verhalten positiv auf unsere Lebensqualität auswirkt, kann uns niemand geben. Auch Menschen, die ihren Glauben sehr ernst nehmen, müssen unter schlimmen Krankheiten leiden. Warum ist das so? Sind sie auch nur hochtrabenden Versprechen gefolgt? Oder haben sie vielleicht nicht richtig geglaubt und wurden darum von Gott bestraft? ...
© Ralf Huning SVD aus Geist und Auftrag 3/22 Seite 4
 

Heft 2/2022

Ganzheitlich leben - Heil an Leib und Seele

Bomben fallen auf Krankenhäuser, einen Kindergarten, eine Entbindungsklinik, auf Wohngebiete, auf die Strom- und Wasserversorgung der Städte. Es sterben viele Menschen, besonders Kinder, Alte und Kranke. Die Brutalität und das menschenverachtende Handeln machen uns fassungslos. Von russischer Seite wird behauptet, die ukrainische Regierung oder das ukrainische Militär seien schuld, eben die andern. Die Menschen in Syrien erkennen in dem, was in der Ukraine geschieht, dasselbe Verhaltensmuster wie in ihrem Krieg, der immer noch andauert, bereits seit elf Jahren!

Überall auf der Welt wird für die Menschen in der Ukraine und für den Frieden gebetet. Auch die Menschen in der Ukraine nehmen ihre zuflucht zu Gott. Sie wissen sich in Gottes Hande und vertrauen auf seine Fürsorge und Unterstützung. Hört Gott das Schreien seiner Kinder nicht? Warum rettet er unschuldige Kinder nicht aus der Hand der Gewaltätigen? Warum müssen so viele alte Menschen leiden? Wir fühlen uns hilflos und überfordert, allein gelassen mit all unseren Fragen und Ängsten. Deshalb wenden wir uns an Gott. Er ist der einzige, der jetzt noch helfen kann.

Wir beschäftigen uns in diesem Heft mit Krankheit und Gesundheit, mit einem ganzheitlichen Leben. Dieser Krieg, der über unsere Nachbarn hereingebrochen ist, weckt Fragen und Anfragen in uns. ...
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS

Titelthema
In diesem Jahr beschäftigen wir uns mit dem Themenfeld "Gesundheit und Krankheit". Wir gebrauchen beide Begriffe mit großer Selbstverständlichkeit, als ob es ganz klar wäre, was die Wörter bezeichnen. Tatsächlich ist es gar nicht so einfach zu bestimmen, was für ein Zustand "Gesundheit" ist. Meistens versstehen wir darunter einfach nur das Gegenteil von "Krankheit". Befasst man sich genauer mit diesen Begriffen, wird zunächst deutlich, dass sie zwei Pole bezeichnen, die ein Spannungefeld erzeugen, in dem sich unser Leben abspielt. Vollständig gesund sind wir eigentlich nie. Immer muss sich unser Körper mit Keimen oder Viren auseinandersetzen, jederzeit gibt es ein gewisses Maß an Entzündungsprozessen in einzelnen Körperteilen. Viele der gewöhnlichen Erkrankungen, wie z.B. ein grippaler Infekt, halten wir ohne ärtzliche Hilfe einfach aus, weil wir wissen, dass unser Körper stark genug ist, die Infektion zu überwinden.

Und wie steht es mit unserer psychischen Gesundheit? Ein gewisses Maß an Ängsten gibt es wohl bei jedem. Zum Arzt gehen wir erst dann, wenn wir aufgrund unserer psychischen Probleme nicht mehr handlungsfähig sind. Ich habe den Ausdruck "ein gewisses Maß" eingeführt, um den Zeitpunkt zu beschreiben, wann jemand "alltägliche Zipperlein" als behandlungsbedürftig einstuft und einen Arzt ausucht. Dieses Maß ist individuell und kulturell verschieden, richtet sich aber auch nach den vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten. Heute können viele körperliche Einschränkungen überwunden werden, die von früheren Generationen leidvoll ertragen werden mussten. Ist deshalb unsere Erwartungshaltung an die Leistungen der Medizin größer geworden?

Aus der Bibel, aber auch aus erhaltenen privaten Briefen aus der Antike kann man ersehen, dass Menschen früher viele Krankheiten und Schicksalsschläge hingenommen haben. ...
© Ralf Huning SVD aus Geist und Auftrag 2/22 Seite 4

Heft 1/2022

Dein Glaube hat dich gerettet

Wenn Gesundheit zum höchsten Gut erklärt wird, dann entsteht eine Art "Gesundheitskult". Das macht Menschen nicht gesünder. Es stürzt sie eher in eine große Krise, wenn sie trotz gesunder Ernährung, trotz Sport und trotz vieler Gesundheitstipps krank werden. Dann treibt sie die Frage um, was habe ich falsch gemacht? Warum trifft es mich? Was bin ich jetzt noch wert, ja, bin ich jetzt wertlos?

In diesem Jahr soll sich alles um Krankheit, Gesundheit, Heil und Heilung drehen. Ein gesundes Verhältnis zu Krankheit, körperlichen Einschränkungen und Abhängigkeit von orthopädischen Hilfsmitteln, Medikamenten oder einer Diät ist häufig eine große Herausforderung. Es macht abhängig von der Unterstützung anderer, macht hilfsbedürftig und lässt gebrechlich erscheinen.

Bis zu ihrem 90. Geburtstag war meine Mutter noch sehr fit, brauchte keinerlei Hilfe und lief täglich einen steilen Weg mit Einkaufstasche nach Hause. Nach einer Erkrankung brauchte sie einen Rollator. Sie weigerte sich, ihn außerhalb des Hauses zu gebrauchen. Niemand sollte sehen, dass sie nicht mehr so fit war. Warum durften das andere nicht wissen? ...
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS


Titelthema
Es macht mich jedes Mal ganz unruhig, obwohl es mir schon so oft passiert ist: Da gratuliert mir jemand zum Geburtstag, wünscht mir alles Gute und fügt mit Augenaufschlag hinzu: "Vor allem wünsche ich Dir Gesundheit, denn das ist doch das Wichtigste!" Ich weiß, dieser Wunsch ist gut gemeint, und doch muss ich schlucken. Ist Gesundheit wirklich das Wichtigste? Bin ich nicht normal, weil ich mir für mein Leben mehr wünsche, als nur "gesund" zu sein?

Was hat Jesus den Menschen gewünscht, wenn er ihnen gratulierte? Von Geburtstagswünschen Jesu wird uns in der Bibel nichts erzählt. Aber Jesus hielt einmal eine Predigt, die für seine Zuhörer unvergesslich blieb (nachzulesen bei Matthäus Kap. 5 bis 7). Er begann damit, Menschen zu beglückwünschen, denen es nach dem Urteil ihrer Mitmenschen gar nicht gut ging: Arme, Trauernde, Menschen, die sich nach Gerechtigkeit sehnen, Menschen, die geschmäht und verfolgt wurden. Diese Glückwünsche waren nicht zynisch gemeint. Jesus war überzeugt, dass diese Menschen besonders empfänglich waren für das, was er ihnen zusagte: Trost, Erfüllung ihrer Sehnsüchte, die Schau Gottes, Anteil an Gottes Reich. Mir fällt auf, dass in diesen Glückwünschen niemals "Gesundheit" erwähnt wird, obwohl das doch angeblich so wichtig ist! Sah Jesus das etwa anders? Dabei war er doch der  "Heiland", der viele Wunder tat! ...
© Ralf Huning SVD aus Geist und Auftrag 1/22 Seite 4

Heft 4/2021

Den Wandel vertrauensvoll gestalten

"Den Glauben weitergeben", das Thema ist Schwerpunkt in dieser Ausgabe.
Überfordert das viele von uns, ist es zu anspruchsvoll? War es früher ein Tabu, über Sexualität zu sprechen, so gilt das heute für den Glauben. Die kirchliche Sprache ist vielen, vor allem jüngeren Menschen, fremd geworden. Was ist gemeint, wenn von Heil, Erlösung, Sünde, Himmel und Hölle die Rede ist? Was bedeuten die Worte, die in unserem Alltag nicht vorkommen? Was stelle ich mir darunter  vor? Brennt es eigentlich im Fegefeuer? Solche und ähnliche Fragen sind aufgetaucht, als sich eine Gemeinde mit den letzten Dingen beschäftigt hat.

Wer hat mit Ihnen zum ersten Mal über Gott gesprochen, Sie zum Nachdenken über ihn angeregt? War es Ihre Mutter, Ihr Lehrer, der Pfarrer oder andere Menschen? Können Sie sich noch daran erinnern, in welcher Situation es geschah?

Wie spricht Jesus über Gott? Oft braucht er keine Worte. Er gibt Hungrigen zu essen, umarmt Kinder, macht Kranke gesund, tröstet Trauernde, hat Mitleid und ist nahe allen, die in Not, ausgegrenzt oder verzeweifelt sind. ...
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS



"Wer mit beiden Füßen auf dem Boden steht, kann nicht vorwärts kommen!" Diese alte Volksweisheit macht deutlich, wie sehr wir Menschen der steten Veränderung bedürfen. Schon rein biologisch gesehen, verändern wir Menschen uns ständig: vom Kind zum Jugendlichen, vom jungen Menschen zum Erwachsenen, von der Mitte des Lebens zum Alter. Seit Kindheitsstagen müssen wir immer wieder Neues lernen, uns mit Ungewohntem anfreunden und Veränderungen stellen. Wir wachsen und lernen ständig dazu. Unser Leben ist geprägt von Zeiten der Entscheidung zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Aufgeben und Durchhalten, zwischen Starre und Veränderung. Den Wenigsten wird allen Ernstes einfallen, auf einer früheren Entwicklungsstufe stehen zu bleiben. Peinlich wirkt es, wenn sich Erwachsene in der Öffentlichkeit wie ein Kind aufführen und Menschen im Rentenalter meinen, sich wie Jugendliche kleiden zu müssen. Der Wert von Verändung liegt genau darin, dass sie unserem Leben neue, oft ungeahnte Möglichkeiten und Chancen bietet. Darauf verweist eine Aussage des französichen Schriftstelleres André Gide: "Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren."

Trotzdem machen Veränderungen vielen Menschen Angst. In unserer extrem schnelllebigen Zeit ändert sich vieles in unserer Gesellschaft und Kirche. Damit kann mancher Zeitgenosse nicht gut umgehen. Dann ist die Versuchung groß, sich dem Heute zu verschließen und an das Gestern zu klammmern, selbst dann, wenn man intuitiv spürt, dass manches nicht so weitergehen kann wie bisher. In der Tagespolitik viele Länder kann man beispielsweise beaobachten, wie rechtskonservative Parteien an Einfluss gewinnen, indem sie einfachgestrickte, populistische Antworten auf komplexe Sachverhalte geben. Auch in kirchenlichen Kreisen machen Traditionalisten lautstark von sich reden. ...
© Norbert Cuypers SVD aus Geist und Auftrag 4/21 Seite 4

Aufgerichtet! - Herr, ich bin nicht würdig...


Weitere Rubriken im aktuellen Heft:

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