Geist und Auftrag

Die Zeitschrift der Missionarischen Heilig-Geist-Gemeinschaft, "Geist und Auftrag" hat eine Auflage von ca. 30.000 Exemplaren.

Sie erscheint vierteljährlich in Deutschland, Österreich und Südtirol.

Themenschwerpunkte sind: Spiritualität und Mission.

Die Kosten werden durch freie Spenden der Mitglieder gedeckt. Mit dem Überschuss werden soziale und pastorale Projekte unterstützt, Führungskräfte ausgebildet und in Katastrophenfällen geholfen.

Archiv der letzten vier Ausgaben

Heft 2/2021

Spurensuche: Den Glauben leben

Auf Spurensuche gehen zu können, hat uns in der Kindheit viel Freude gemacht. Zu welchem Tier gehören die Spuren im Schnee? Zu welchem Vogel diese Federn oder zu welchem Tier die Exkremente? Was sagen uns bestimmte Wolkenformationen? Wir lesen die Körpersprache eines Menschen. Geht es ihm/ihr gut, fühlt er/sie sich wohl in dieser Situation? An den Pflanzen können wir ablesen, ob sie Wasser, Dünger oder einen anderen Standort brauchen. Es gibt so viele Situationen in unserem Leben, wo wir versuchen wie Detektive äußere Zeichen zu deuten. Manchmal ziehen wir die richtigen Konsequenzen, manchmal liegen wir aber auch daneben, haben etwas übersehen, die Tatsachen falsch gedeutet.
Jesus wirft seinen Zuhörern vor: "Am Abend sagt ihr: Das Wetter wird schön, denn der Himmel ist rot. Und am Morgen: Heute wird es regnen, denn der Himmel ist rot und trüb. Die Zeichen des Himmels wisst ihr zu deuten, die Zeichen der Zeit aber versteht ihr nicht!" (Mt 16,2f). Die Zeichen, die Gott uns persönlich und der Kirche gibt, sind noch schwerer zu deuten als die Zeichen in der Natur. Wir sind eingeladen, Gottes Spuren in unserem Leben zu entdecken. Wie bin ich die Person geworden, die ich heute bin? ....
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS


"Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es vorwärts", sagte der dänische Philosoph Soren Kierkegaard. Darin steckt eine gute Portion Weisheit, denn wer immer unterwegs ist, hinterlässt Spuren: am Strand, im Schnee, auf dem feuchten Waldweg. Auch Spuren der Liebe, der Hingabe und des Vertrauens sind rückblickend in unserem Leben zu erkennen. Wer einen Weg in die Zukunft sucht, hält nicht selten Ausschau nach solchen Spuren, die ihm zeigen, welcher Richtung man in seinem Leben sinnvoll trauen kann. Das können Menschen sein, die glaubhaft für ihre Überzeugungen einstehen, oder Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche die Zukunft versprechen. Insofern ist auch mein persönlicher Glaubensweg letztlich eine ständige, nie abgeschlossene Spurensuche nach Gott in meinem Alltag.
Weit über die Hälfte meines Lebens liegt bereits hinter mir. Auch ich reflektiere immer wieder die vergangenen Jahre. Dazu helfen mir Fotos aus vergangener Zeit, aber vor allem die Aufzeichneungen in meinen Tagebüchern. Wie sich das anfühlen kann, besingt Reinhard Mey sehr schön in einem Lied: "Beim Blättern in den Bildern meiner Kindheit, find' ich viele vergilbt in all' den Jahr'n. Und and're von fast unwirklicher Klarheit, von Augenblicken, die mir wichtig war'n! ... Wie manches, dem wir kaum Beachtung schenken, uns dennoch für ein ganzes Leben prägt. Und seinen bunten Stein als ein Andenken ins Mosaik unserer Seele trägt!" ...
© Norbert Cuypers SVD aus Geist und Auftrag 2/21 Seite 4

 

Heft 1/2021

Aus der Quelle schöpfen

"Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen", stellt Hermann Hesse in seinem Gedicht "Stufen" fest. Auch die Situation der MHGG und ihrer Leitungsteams erfordert Aufbruch und Veränderung. Nur gemeinsam kann dieser Wandel gestaltet werden. Veränderung braucht Mut, eine Vision und vor allem eine starke Gemeinschaft, miteinander und mit dem Heiligen Geist. Diese nimmt jede Herausforderung an.
Der Heilige Geist ist wie ein Bergführer. Er kennt zwar den Weg, lässt sich aber auf die Menschen, die er führt, mit ihren Stärken und Schwächen ein. Er motiviert, und wenn einige schwächeln, zeigt er das große Ziel auf und macht Mut auf dem Weg. Letztlich muss jedes Mitglied den Weg selbst gehen und kann später stolz auf die eigene Leistung sein.
Den Wandel der MHGG wollen wir mit Kopf, Herz, Gebet und Hand gestalten. Der heilige Geist wird uns auf unserem Zukunftsweg unterstützen. ...
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS


Die ersten Worte, die Jesus im Johannesevangelium spricht, sind als Frage formuliert: "Was sucht ihr?" (Joh 1,38). Er stellt sie an zwei junge Menschen, die durch Johannes den Täufer auf ihn aufmerksam gemacht wurden. Von einem der beiden wissen wir, dass er Andreas hieß, der Bruder von Simon Petrus, der später auch zu den engen Freunden Jesu gezählt wurde. Der andere allerdings bleibt namenslos. Warum? Vielleicht deshalb, damit wir als Leser des Evangeliums an dieser Stelle unseren eigenen Namen einsetzen können. So bleiben wir keine reinen Beobachter dieser biblischen Geschichte, sondern werden vielmehr mit hineingenommen als Beteiligte.
"Was suchst du?" Das ist also die erste Frage, die Jesus auch mit stellt, wenn ich ihm näher kommen möchte und mich für seine Botschaft interessiere. Sie wirft mich zuerst einmal auf mich selbst zurück und wird zur Anfrage an mich und mein Leben. Fragen solcher Art können allerdings auch lästig sein. Wir kennen das ständige Nachfragen des kleinen Kindes: "Warum?" oder auch: "Wieso?" Das kann nerven, und doch wissen wir, dass ein Kind nur durch solche Fragen seine Welt schließlich zu verstehen beginnt. ...
© Norbert Cuypers SVD aus Geist und Auftrag 1/21 Seite 4

Heft 4/2020

Jesu Auferstehung - "Eine Klasse für sich"

Was geschieht mit Ihnen nach Ihrem Tod? Ist dann alles aus? Wagen Sie darüber nachzudenken? Können Sie darüber mit Ihren nächsten Angehörigen, dem Ehemann, der Ehefrau, dem Partner oder der Partnerin, den Kindern und Enkelkindern sprechen? Oder macht der Gedanke an Ihren Tod Ihnen Angst und lähmt Sie?
Alle getauften Christen glauben und bekennen im Glaubensbekenntnis, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Das ist ja gut und schön. Aber hat das auch etwas mit uns und unserem Leben zu tun?
Der Apostel Paulus beschäftigt sich in seinem ersten Brief an die Korinther ganz ausführlich mit dieser Frage: "Wenn der Glaube an Christus uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt, sind wir die bedauernswertesten unter allen Menschen. Tatsächlich aber ist Christus als Erster von den Toten auferstanden. So können wir sicher sein, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden." ...
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS


Titelthema

"Esgibt nichts Neues unter der Sonne", meint der Autor des Buches Kohelet (Koh 1,9) und fährt fort: "Zwar gibt es bisweilen ein Ding, vom dem es heißt: Sieh dir das an, das ist etwas Neues - aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind." - Und was ist mit der Auferstehung Jesu, war sie wirklich etwas Neues? (...)
Ist es nicht eine Totenerweckung unter vielen?

Nein, das ist sie nicht, daran hält der christliche Glaube fest: Jesu Auferstehung ist etwas radikal Neues und eine "Klasse für sich". Alle anderen Auferweckten kommen ins irdische Leben zurück. Ihnen steht der Tod dann ein zweites Mal bevor. Jesus aber ist in ein neues Leben hinübergegangen - in eine neuartiges Leben, das zu beschreiben schier unmöglich ist, weil es einem die Sprache verschlägt. ...
© Sr. Anna Damas SSpS aus Geist und Auftrag 4/20 Seite 4

Heft 3/2020

Lieblingsfeinde - Jesus und die Pharisäer

In dieser Ausgabe fragt Sr. Anna Damas, was es mit Jesu Verhältnis zu den Pharisäern auf sich hat, mit seinen "Lieblingsfeinden", wie sie diese nennt. Was verbindet Jesus mit ihnen, wo gehen sie getrennte Wege? Paulus war ein Pharisäer und hatte die Schule des angesehenen Rabbi Gamaliel besucht, bevor er sich bekehrte. Viele Christen sehen in den Pharisäern die Feinde Jesu und der Kirche. Stimmt das?

Mit wem streiten wir uns am häufigsten? Sind das nicht oft die Menschen, die wir lieben und mit denen wir uns verbunden führen, wie z.B. mit unseren Eltern, Freunden und Geschwistern? Wenn sie anderer Meinung sind als wir, fällt es uns schwer, das stehen zu lassen. Wir sehnen uns nach Harmonie, mit ihnen einer Meinung zu sein. ...
Aus dem Editorial von Sr. Gabriele Hölzer SSpS


Titelthema

In den Evangelien scheint Jesus kein gutes Haar an den Pharisäern zu lassen. Dabei verband sie in Wirklichkeit vieles miteinander. Ein frischer Blick auf die Lieblingsgegner Jesu.

Gleich zweimal traf Martin Luther der Schlag. Das erste Mal war es unter einer Baum. Als junger Mann von 22 Jahren war er unterwegs auf freiem Feld, als ein schweres Gewitter aufzog. Er suchte Schutz unter einem alleinstehenden Baum, in den der Blitz einschlug. Der Einschlag war so grell und heftig, dass es ihn zu Boden riss. In seiner Todesangst schrie er: "Hilf, heilige Anna, ich will Mönch werden!" Er überlebte. Luther betrachtete seinen spontanen Aufschrei als verbindliches Versprechen und trat ins Augustinerkloster ein, dem strengsten und frömmsten in Erfurt.

Zehn Jahre später traf ihn der zweite Schlag. Luther, inzwischen Professor der Theologie, saß im Turmzimmer in Wittenberg und bereitet eine Vorlesung über den Römerbrief vor. Seine Augen blieben an dem Wort "Gerechtigkeit Gottes" kleben. Er hasste dieses Wort, weil es ihm Angst machte.  ...
© Sr. Anna Damas SSpS aus Geist und Auftrag 3/20 Seite 4

 

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